Die Seele des Gestüt Wittekindshof

 
Das Gestüt Wittekindshof gehört inzwischen seit vielen Jahren zu den Top-Anbietern auf den verschiedenen Auktionen der BBAG und ist 2006 auf der Jährlingsauktion quantitativ und vor allem qualitativ sehr stark vertreten.

Von den vielen später auf Gruppe- und Listen-Ebene profilierten Wittekindshofern sei hier stellvertretend auf Georg Baron von Ullmanns dreifachen Gruppe I-Sieger und inzwischen in Sheikh Mohammeds Darley Stud in England wirkenden Danehill-Sohn Tiger Hill sowie die mehrfach auf höchstem Level und in beiden Stutenklassikern nicht zu schlagende Spitzenstute Elle Danzig hingewiesen. Zwei weitere absolute Top-Pferde sind der 2002 im Deutschen Derby hochüberlegene Nachwuchsbeschäler Next Desert und seine im Preis der Diana ebenfalls als klassische Siegerin profilierte Halbschwester Next Gina, beides Nachkommen der bereits selbstgezogenen Diana-Siegerin Night Petticoat. Die Liste liesse sich beliebig lange fortsetzen, Namen wie La Blue, Lomita, El Tango, Nordtänzerin, etc. sind den Rennsportfreunden sehr geläufig.

Hinter all diesen Namen steht ein Mann – Gestütsleiter Karl Jörg, den man wohl getrost als die Seele des Gestüts Wittekindshof bezeichnen darf. Geboren am 19. Januar 1951 in Trippstadt bei Kaiserslautern absolvierte er ab 1967 die Lehre als Pferdewirt in den Gestüten Fohlenhof, Wald-Erbach und Bona, wobei die Wechsel durch die z.T. fehlende Hengsthaltung bedingt waren. Nach erfolgter Prüfung in 1970 war Jörg zunächst im Gestüt Bona tätig bevor er seinen Wehrdienst ableistete.

Es folgten vier Jahre im Gestüt Martinshof und weitere zwei Jahre im Gestüt Schafhof bevor Karl Jörg im November 1978 in verantwortlicher Stellung im neu gegründeten Gestüt Wittekindshof des Gross-Industriellen Hans-Hugo Miebach im Sauerland tätig wurde.

Die Zuchtpolitik war stets auf den Markt ausgerichtet, zu der Zeit in Deutschland noch ein eher ungewöhnliches Unterfangen. Es wurden Stuten aus führenden einheimischen und internationalen Blutlinien aufgekauft und zunächst in der mittleren und unteren Preisklasse angepaart. Dabei bestand Karl Jörg stets darauf im eigenen Gestüt keinen Deckhengst aufzustellen, vor allem auch deshalb, weil man in seinen Entscheidungen bei der Hengstauswahl so viel freier war.

Die gute Luft und die grosszügig angelegten Weiden zusammen mit einer artgerechten und natürlichen Aufzucht erwiesen sich als das richtige Rezept, denn schon sehr bald wurde man auf die erfolgreichen Wittekindshofer aufmerksam, zudem erwiesen sie sich als hart und langlebig. Im Jahre 1990 fiel dann der erste Gruppesieger für das Gestüt Wittekindshof als Züchter, es war der im klassischen Mehl-Mülhens-Rennen und Zanders Union-Rennen erfolgreiche Königsstuhl-Sohn Mandelbaum.

Für den Pferdemann Karl Jörg war dies die erste Bestätigung auf höchstem Level, der bis heute viele folgen sollten. Seine Theorie der gesunden Aufzucht mit viel Luft und Bewegung für das Lauftier Pferd hat sich vielfach bewährt und lenkt die genetische Disposition der jungen Pferde in die richtige Richtung um später im Rennstall unter entsprechenden Bedingungen das vorhandene Potential auch wirklich ausschöpfen zu können.