Die Geschichte hinter dem Namen "Wittekindshof"

 
Kalt fegt der Wind über die Höhen des Haarstrangs, unwirtlich ist in den Wintertagen das Klima im tiefsten Sauerland. Beste Voraussetzungen zur Aufzucht von Vollblütern, in Rüthen-Kneblinghausen, dem Standort des Gestüts Wittekindshof. Seit vielen Jahren gehört die Zuchtstätte des Dortmunders Hans-Hugo Miebach zu den kommerziell erfolgreichsten Unternehmungen im Lande.

Gute Pferde kamen in Serie aus dem Gestüt, doch einen Derbysieger, ja nicht einmal einen Derbystarter in den eigenen Farben hat es in all den Jahren gegeben. Das ist seit dem ersten Juli-Sonntag 2002 Historie, Next Desert gewann das BMW Deutsche Derby im Stil eines Klassepferdes, degradierte in Hamburg die gewiss nicht schlechte Konkurrenz zur Statisterie. Next Desert ist der vorläufige Höhepunkt der züchterischen Betätigungen von Hans-Hugo Miebach, die erst Ende der Sechziger Jahre ihren Anfang nahmen. Offiziell seit 1969 fungiert Wittekindshof als Vollblutgestüt, in Familienbesitz ist es allerdings schon seit vielen Jahrzehnten.

Schon als Junge verlebte der in Berlin geborene Miebach, dessen Lebensmittelpunkt allerdings stets Dortmund war, so manche Zeit in Kneblinghausen. Sein Großvater hatte dort eine Jagd gepachtet, die ersten Pferde waren in der Landwirtschaft tätig. Hans-Hugo Miebach konzentrierte sich zunächst auf seinen beruflichen Werdegang, übernahm früh die Geschäftsführung des Familienunternehmens, denn sein Vater war bereits 1949 verstorben. 1907 war das Werk für Elektrotechnik und Maschinenbau errichtet worden, Ende der Zwanziger Jahre folgte ein Zementwerk in Erwitte, nicht einmal weit entfernt von Rüthen-Kneblinghausen. "Wittekind" heißt es, wobei der Name für das Gestüt herangezogen wurde, das Firmenlogo in den Renndress integriert ist.

Hans-Hugo Miebach ist erst spät in den Vollblutsport eingestiegen, trotz der räumlichen Nähe zur Dortmunder Rennbahn. Noch heute erinnert er sich genau an seine Besuche in Wambel, schwärmt von den dort damals stationierten Neckar und Niederländer, "Pferde, die ich immer bewundert habe". Heute besitzt er einen Derbysieger, der exakt aus dieser Mutterlinie stammt. Zunächst einmal wurden auf dem Wittekindshof Trakehner gezüchtet, 1968 kaufte Miebach auf der Kölner Herbstauktion zwei Vollblutstuten, Arlene und Marchandise hießen sie damals, Friedrich-Wilhelm Schlaefke, langjähriger Trainer in Dortmund, war der erste Berater und auch Trainer der Wittekindshofer. Linien, die es lange nicht mehr gibt im Gestüt. Bis Ende der Siebziger Jahre lief das alles aber noch sehr wenig professionell in Wittekindshof ab. Die Trakehnerzucht lief zusammen mit den Vollblütern, doch irgendwann wurden Erstere abgeschafft. Zudem war die Qualität der Zuchtstuten doch arg übersichtlich - tauchten Miebach-Pferde auf den Auktionen auf, blieben die Hände vorzugsweise unten.

1979 wurde der Name des Gestüts offiziell eingetragen, kurz zuvor war Karl Jörg, der zuvor in Martinshof und Schafhof tätig war, ins Sauerland gekommen. "Damit kam die Wende zum Professionellen", sagt Miebach heute und in der Tat konnte unter der Führung von Jörg, ein Mann, der sehr strikte Vorstellungen hat und diese auch umsetzt, ein enormer Aufschwung geschafft werden. Spätestens Ende der Achtziger Jahre war man im Konzert der Großen angekommen.

(Quelle: GaloppOnline.de)